Dasha Tsapenko

Lovaratory

CLASH Project / FASHIONCLASH Festival 2018. Foto: Sem Shayne & Anton Fayle

Lovaratory ist eine Plattform für räumliche Erkundungen, die auf Forschungsergebnissen aus dem Bereich der vielmenschlichen Liebesbeziehungen im post-romantischen Zeitalter einer rapiden technologischen Beschleunigung und globalen Digitalisierung beruhen. Lovaratory untersucht alternative Beziehungsformen und Familienstrukturen. Das Projekt lotet alternative Formen der Liebe aus der Perspektive neu aufkommender räumlicher Komponenten aus. Es analysiert verschiedene Typen liebesbasierter Haushalte und macht sie zum Ausgangspunkt für die Schaffung von häuslichen Umgebungen und neuen Wohntypen, die zukünftig zu Lebensräumen werden könnten.

Im Rahmen von Housing the Human weitet Lovaratory seine bisherige Forschungsarbeit aus und untersucht anhand einer praktischen empirischen Studie die räumlichen Komponenten verschiedener Typen polyamorer Haushalte (Polygamie, Polyandrie, Polyamorie, Solo-Polyamorie, „V“ und „M“ Beziehungen, Dreiecks- und Viereckbeziehnungen, Beziehungsanarchie u.s.w.). Ziel ist es, so ein neues und potenziell umsetzbares häusliches Vokabular zu schaffen.

Die Resultate dieser praktischen Forschungsarbeit (zum Beispiel als Familienmitglied in 20 verschiedenen Poly-Haushalten zu leben) werden in 20 räumliche Prototypen und Interventionen übersetzt. Sie sind in Kooperation mit und basierend auf alltäglichen Beobachtungen von Menschen entstanden, die in Poly-Haushalten leben. Der Ausstellungsteil des Projekts wird durch eine Publikation zu Lovaratory ergänzt. In dieser werden die Forschungsergebnisse zu verschiedenen Prozessen des Zusammenlebens ausgeführt und der Symbolismus hinter den beschriebenen Prototypen und Interventionen weiter erforscht.

Dasha Tsapenko (UA, NL) ist eine in der Ukraine geborene und heute in den Niederlanden lebende Architektin und Spezialistin für soziale Designs. Sie hat Architektur an der National Academy of Fine Arts and Architecture in der Ukraine studiert und zusätzlich an der Design-Akadmie in Eindhoven einen Master in Social Design gemacht. Momentan ist sie Designer in Residence an der Van Eyck Akadmie in Maastricht, wo sie sich mit der Rolle privater Häuslichkeit in Bezug auf räumliche Beschränkungen und Abgrenzungen beschäftigt.

Ihre Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf den häuslichen Raum und untersuchen ihn auf einer sehr kleinteiligen Ebene: So nimmt sie zum Beispiel die einzelnen Bestandteile eines Hauses auseinander und betrachtet sie als alleinstehende räumliche Handlungsformen. Durch die Verwendung verschiedener künstlerischer und gestalterischer Medien legt Tsapenko das Augenmerk auf Hindernisse und Einschränkungen, denen ihrer Meinung nach in der gegenwärtigen Welt extremer Freiheiten und Möglichkeiten nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird. Auf diese Weise reflektiert sie ihren eigenen Traum von der Durchsetzung eines freien Willens durch intensive körperliche Erfahrungen.