Simone C Niquille / Technoflesh

Regarding the Pain of SpotMini

Bild: Simone C Niquille/Technoflesh

Regarding the Pain of SpotMini ist Teil eines fortlaufenden Forschungsprojekts. Es untersucht die Rechenschaftspflicht von Datenbanken, die Arbeitsabläufe in parametrischen Designs und deren Ursprünge in Bemessungs- und Klassifikationssystemen, die in Europa im 16. Jahrhundert etabliert wurden
.

Autonome Systeme werden mit einem computerisierten Sichtsystem ausgestattet, mit dem sie sich in ihrer gebauten Umgebung zurechtfinden können. Solch einem maschinell hergestellten Sichtsystem muss alles über die Welt, in dem es operiert, beigebracht werden: ein autonomer Roboter, der durch eine häusliche Umgebung fährt, muss lernen, was ein Stuhl, was ein Esszimmer und was ein Mensch ist. Für diesen Zweck werden große Trainingsdatenbanken angelegt. Die Vision einer post-menschlichen Architektur, in der Menschen und autonome Maschinen zusammenleben, zeigt, wie hyper-standardisiert und exklusiv solch eine Architektur aussehen müsste. Welches Bild nutzt man, um einem computerisierten Sichtsystem beizubringen, was ein Mensch ist?

Simone C Niquille (CH, NL) ist eine in Amsterdam lebende Designerin und Wissenschaftlerin. Ihre Agentur Technoflesh untersucht die Reibungsfläche zwischen Digitalisierung und Biomasse in vernetzten Räumen. Niquille hat an der Rhode Island School of Design Grafikdesign studiert und am Sandberg Institut in Amsterdam ihren Master in Visual Strategies gemacht. Sie unterrichtet Designforschung an der ArtEZ University of the Arts in Arnhem und war 2016 Stipendiatin am Het Nieuwe Institut in Rotterdam. Simone C Niquille wurde beauftragt, für den niederländischen Pavillon auf der Architektur-Biennale in Venedig ein Design zu entwerfen. Momentan arbeitet sie an einem Projekt, das Lebensstandards untersucht und dabei erforscht, wie diese in parametrische Designprozesse eingebunden sind.

01 März 2019

Wie hat sich der Prototyp in den letzten Monaten entwickelt?

Die Präsentation auf dem Architekturfestival CAFx in Kopenhagen gibt Einblicke in den Arbeitsprozess

Regarding the Pain of SpotMini hat sich zu einem Forschungsprojekt zu synthetischen Trainingsdatensätzen für visuelle Computererfassung von Innenräumen entwickelt. Das Projekt analysiert 3D-Datensätze von Wohnraumsituationen, welche für Testläufe von Robotern und zum Training von Objekterkennung und Innenraumnavigation eingesetzt werden. Will man architektonische Designs generieren, muss der Inhalt solcher Datensätze in beschreibenden Clustern kategorisiert werden. Ähnlich der Taxonomie in der Biologie sieht die Organisation von Räumen und Objekten ungefähr so aus: Wohnzimmer>Sofa>Decke oder Küche>Schrank>Besteck.

Wissenschaftler haben Tausende von Wohnzimmersituationen generiert, bei einem Datensatz jedoch beschlossen, dass das Wohnzimmer Objekte der Kategorie „Kasten“ enthalten solle – vielleicht dachten sie an eine Truhe oder eine Zigarrenkiste. Stattdessen war das Wohnzimmer dann voller Briefkästen; die Situationen wurden als fehlerhaft verworfen. Das Beispiel veranschaulicht die Herausforderungen beim Erstellen solcher Trainingsdatensätze. Gelten nur Möbelstücke mit vier Beinen und Rückenlehne als Stühle – oder alle Sitzmöbel? Eine virtuelle Welt ohne jede Orientierung, Verhältnismäßigkeit und Organisation ist der Spielort eines Dokumentarfilms über das Designobjekt des 21. Jahrhunderts: den Trainingsdatensatz.