Lucia Tahan

Cloud Housing

Bild: Lucia Tahan

Cloud Housing schafft ein Bewusstsein für den Einfluss, den technologisch basierte Plattformen haben können, die sich auf den städtischen Raum konzentrieren. Ihr Prototyp besteht aus drei Objekten: Einer Bot-App, die eine Zukunft entwirft, in der das Wohnen zu einer dezentralisierten, datengetriebenen, generischen und erfahrungsorientierten Plattform geworden ist.

Die zweite Komponente besteht aus einem standardisierten Wohnraum. Dieser kann erst als Haus verstanden werden, wenn man die App nutzt, um ihn mit einer erweiterten Realität zu überlagern. Als Drittes kommt ein in diesem Haus ausliegendes Buch hinzu. Dieses Buch setzt die App und den Raum miteinander in Beziehung und zeigt auf, wie standardisierte Räume mit Bedeutung aufgeladen werden können, um politisch wirksam zu werden.

Indem es andere, durch Interaktionen hervorgebrachte Zukunftsvisionen aufzeigt, gibt der Prototyp dem Publikum die Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie seine Erwartungen gegenüber Technologien über das rein Nützliche hinausgehen können. So werden hier auch ihre räumlichen, politischen und sozialen Auswirkungen in Betracht gezogen.

Lucia Tahan (ES, DE) ist eine in Berlin lebende Architektin, die räumliche und digitale Systeme nutzt, um auf menschlichen Erfahrungen basierende Designs zu entwerfen. So hat sie bereits vielfältige Arbeiten geschaffen, von einer Software über eine physische Baustelle bis hin zu kritischen Essays. Gleichzeitig entwickelt sie architektonische Projekte und Ausstellungen und nutzt diese als politisches Werkzeug. Tahans Herangehensweise wird genährt durch ihren Wunsch, digitale mit architektonischen Methoden zu verknüpfen – sie ist ebenso fasziniert von Häuslichkeit wie von politischer Formensprache.

Tahan versteht Architektur nicht nur als grundlegend räumliche Disziplin, sondern weitet den Begriff auch so aus, dass er für sie zu einer Übung im Entwurf von Erfahrungen und zur Forschung wird. Ihre Forschungsarbeit ist in diesem Jahr auf der Architektur-Biennale in Venedig zu sehen. Momentan arbeitet Tahan auch als Produktdesignerin. Zusammen mit Bika Rebek hat sie Tools for Show gegründet, eine Online-Plattform für Ausstellungsdesigns, die gerade in New York entsteht. Ihre Arbeiten wurden bereits vielfach ausgestellt, unter anderem an der University of Illinois at Chicago, auf der Architektur-Triennale in Lissabon, der Biennale of Architecture and Urbanism in Seoul und im MAXXI Museum in Rom sowie in Zeitschriften wie Bartlett’s Lobby.

01 März 2019

Wie hat sich der Prototyp in den letzten Monaten entwickelt?

Die Präsentation auf dem Architekturfestival CAFx in Kopenhagen gibt Einblicke in den Arbeitsprozess

Mit Cloud Housing werden ein Raum, eine App und ein Buch vorgestellt. Unter Anwendung von Augmented Reality verwandelt sich der zunächst unbewohnbare, abstrakte Raum in eine Reihe einladender Interieurs, die zu einer fiktiven Tech-Plattform gehören. Durch die App wird jedoch die alltägliche Reibungsfläche für Mitglieder einer solchen Plattform offensichtlich, indem jede Interaktion umgehend Reaktionen auslöst. Gedrucktes und digitales Material der Installation verdeutlichen die Fallhöhe zwischen der optimistischen Sprache der Tech-Branche und dem düsteren Zusammenspiel von Immobilienbesitz und Macht.

Cloud Housing ist eine kreative Spekulation über die Auswirkungen von in Städten operierenden Tech-Plattformen. Das Projekt beschreibt eine Wohnsituation der Zukunft, in der eine datenbasierte, nach den Prinzipien der Gig Economy betriebene Plattform den realen Immobilienmarkt stört. Während Abonnenten rasch die Wohnungen wechseln, lernt das Unternehmen aus ihrem Verhalten und optimiert so die Architektur. Der Wohnungsmarkt wird zur Datendienstleistung mit dem Erlebnis eines variierenden Wohn- und Lebensstils als Ware. Anhand des Prototyps kann das Publikum darüber reflektieren, wie Erwartungen an die Technologie über das Nutzerorientierte hinausreichen, und somit deren räumliche, politische und soziale Auswirkungen hinterfragen.